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Kapitel 1Kapitel1 Durch die offenen Fenster dringen Sonnenstrahlen und heiße Luft, auf Fjarris Stirn haben sich Schweißperlen gebildet, aber dies lenkt ihn keineswegs ab. Nach kurzem Überlegen malt er mit einem kleinen Stück Kreide sein Kreuz auf das dunkle Holz des Bodens, richtet sich auf, verschränkt seine Arme und sieht mich mit aufforderndem Blick an.„Komm schon Magnlaus, du bist dran!“ Ein Seufzen entfährt mir und schnell antworte ich: „Ja,ja, lass mir noch ein wenig Zeit zum Überlegen...“ „Du hast schon so lange überlegt. Du brauchst immer so lange!“ Meine Erwiderung auf diese maßlose Übertreibung ist ein tiefes Grummeln oder zumindest etwas, das dem ähnlich klingen soll. Unlängst habe ich bemerkt, dass eigentlich niemand bei diesem Spiel gewinnen kann, es gibt immer ein Unentschieden. Außer jemand macht einen Fehler und wir beide haben es schon so oft gespielt, dass es nur selten dazu kommt. Neben sein Kreuz kommt mein Kreis und umgekehrt, bis es wieder denselben Ausgang hat wie jedes Mal: Unentschieden. Dennoch spielt es Fjarri gerne und deshalb mache ich ihm auch stets aufs Neue den Gefallen. So gesehen gibt es doch zumindest einen Gewinner und nachdem es mir Freude bereitet ihn lachen zu sehen, gibt es sogar zwei. Nichtsdestotrotz könnte Fjarri sich endlich einmal etwas Anderes einfallen lassen. „Jetzt komm schon!“ „Jaja, sofort!“ Fjarri blickt konzentriert auf meinen weißen Kreis am Boden und schüttelt den Kopf. „Tja, das wird wohl schon wieder ein Unentschieden.“ Mühsam verkneife ich mir einen Kommentar. Inzwischen hat Feiminn aufgehört den Tisch abzuwischen. „Fjarri, willst du nicht nach draußen gehen? Es ist heute ein so schöner Tag!“ Fjarri verzieht das Gesicht und blickt mich dann fragend an. „Ich muss jetzt zum Brunnen raus, das Geschirr abwaschen, und du kannst ja nicht den ganzen Tag allein im Haus sitzen.“ „Allein?“ Er schüttelt den Kopf. „Ich habe doch dich, Magnlaus“ Dann aber blickt er zu seiner Mutter und nickt. „Na los, du hast Mama gehört!“ „Ja, schade... da kann man wohl nichts machen.“ Ich bemühe mich so gut es geht enttäuscht zu klingen, doch Fjarri kennt mich natürlich besser. „Wir können ja schauen wo Tregur steckt!“ „Fjarri!“ Er weiß doch genau, dass mir dieser faule Köter nicht ganz geheuer ist! Das einzige wofür sich Tregur die Mühe macht ein paar Schritte zu gehen ist ein guter Liegeplatz in der Sonne oder neben dem Kamin - außer natürlich er sieht eine Ratte. Mit einer Geschwindigkeit, die man diesem kleinen, fetten Hund gar nicht zutraut fängt und verspeist er solche nämlich mit Vorliebe. Das ist auch der Punkt, der ihn mir so unsympathisch macht, denn ich scheine ihn auf ähnliche Weise zu interessieren. Trotzdem oder gerade deshalb ignoriert mich Fjarri und schleppt mich einfach durch die Türe nach draußen mit. Weit hat es Tregur nicht geschafft. Keinen Schritt vom Eingang entfernt liegt er in der Sonne. „Schau, da ist ja Tregur!“ „Weiter haben ihn seine kurzen Beine wohl nicht getragen und die besseren Plätze lagen alle zu weit entfernt.“ „Ich weiß nicht, was du hast, Tregur ist doch ganz lieb.“ „Ja, ungefähr so lieb wie ein Sack Getreide, nur dass er noch ein speicheltriefendes Maul besitzt. Da, er bewegt sich kein Stück und die Fliegen sitzen schon auf ihm. Vielleicht ist er ja schon tot.“ „Magnlaus!“, schilt mich Fjarri und stupst den Köter an, um zu sehen, ob ich nicht vielleicht doch Recht habe und ich wittere die Gefahr. „Komm, lass ihn doch in Ruhe schlafen, wir können ja woanders hingehen!“ Doch es ist bereits zu spät. Verschlafen öffnet er seine Augen und hat mich auch schon entdeckt. Sofort stellt er die Ohren auf und streckt mir schmatzend seine Schnauze entgegen. Genau das hatte ich befürchtet und hilfesuchend wende ich mich an Fjarri. „Mach doch was, schau nur, wie mich das Biest anblickt!“ „Jetzt sei doch nicht gleich so hysterisch, er wird dich schon nicht fressen.“ Um seine Worte zu unterstreichen streckt Fjarri seine kleine Kinderhand aus und streichelt sanft über das dunkelbraune, glänzende Fell. Genüsslich lässt Tregur seinen Kopf wieder sinken und schließt seine Augen. Schließlich kommt die zweite Hand hinzu und krault die Bestie zärtlich hinter den Ohren. Grunzend zeigt der faule Hund seine Zufriedenheit und ein breites Lächeln zaubert sich auf Fjarris Gesicht. Vielleicht hat er ja Recht und ich reagiere wirklich über... Tregur scheint inzwischen erneut eingeschlafen zu sein und Fjarri streichelt immer langsamer, bis er schließlich ganz aufhört. Ruhig betrachtet er den pelzigen Kornsack noch eine Weile und im nächsten Moment springt er schon auf, rennt davon und ich werde ein weiteres Mal einfach hilflos mitgezerrt. „Fjarri!!!“ „Was? Du wolltest doch weg von Tregur.“ Da hat er natürlich Recht. „Ja, aber du brauchst mich nicht gleich immer so erschrecken, ich habe so langsam das Gefühl, dir macht es Spaß den alten Magnlaus zu erschrecken.“ Als Antwort kam ein Lachen. „Du weißt genau, dass du jünger bist als ich.“ „Und du weißt genau, dass man das nicht vergleichen kann. Sag mir lieber was wir jetzt machen wollen.“ „Gänse jagen!“ „Fjarri!“ Nachdem ich mich an die letzten Begegnungen mit den Gänsen, die fast so groß sind wie er selbst, noch erinnern kann und weiß, dass es meistens damit endet, dass eine Gans genug von dem Spiel hat und Fjarri kurzerhand zwickt, möchte ich meine berechtigten Zweifel an der Idee vorbringen, aber wie immer ist er schneller und hat das Federvieh schon hinter dem Haus gefunden. Wild mit den Armen fuchtelnd stürmt er auf die laut schnatternde Menge zu. „Fjarri!“ „Was denn?“ Endlich bleibt der Junge einmal stehen und hört mir zu. „Wenn du die Gänse dauernd verschreckst werden sie keine Eier legen!“ Es war das erstbeste, was mir eingefallen ist, aber es scheint zu wirken. „Meinst du wirklich?“ „Bestimmt! Du magst doch Eier und willst sicher auch Mama und Papa nicht böse machen!“ Wenn die Gänse versucht haben sollten die Zeit zu nutzen um wegzuwatscheln, dann sind sie nicht sehr weit gekommen. „Hmm, naja gut, dann eben nicht. Wir können ja Leidindi ein bisschen ärgern!“ Immerhin besser als die Idee mit den Gänsen. So groß Leidindi auch sein mag, in gewisser Weise ähnelt sie Tregur. Natürlich frisst sie keine Ratten (und besitzt auch keinerlei Interesse an mir, was sie mir eindeutig sympatischer macht), aber sie ist eine verdammt faule Kuh, die sich nur von Grasbüschel zu Grasbüschel bewegt. Vor allem ist sie jedoch eines: stinklangweilig. Nichtsdestotrotz führt Fjarris Weg zur kleinen Weide neben dem Haus, auf der Leidindi in aller Ruhe grasend steht. Mit erneutem wildem Fuchteln versucht er die Kuh zu erschrecken, doch sie hebt nur kurz ihren Kopf, blickt verständnislos den kleinen Jungen an und frisst dann wieder weiter. „Leidindi ist langweilig.“ Was soll ich dazu schon sagen? Ich wusste es ja bereits vorher. „Komm, wir können ja zu den Hügeln gehen und nachher zum Bach schauen!“ Das hört sich schon wesentlich besser an, vor allem ruhiger und ungefährlicher. Der kleine Weg, der dorthin führt liegt zwischen zwei kleinen Weizenfeldern, den letzten beiden die sein Vater noch besitzt. Ursprünglich waren es einmal mehr gewesen, allerdings nie wirklich viele, da Fjarris Vater eigentlich Schreiner und kein Bauer war. Heute kann er sich das nicht mehr leisten, denn nach einem Streit mit dem Meister verlor er seine Anstellung und als Geselle konnte er weder eine eigene Schreinerei aufmachen, noch hätte Allstadar eine zweite gebraucht. Zu zweit hatte das bisschen Land ja noch gereicht, aber als Fjarri dann ungeplant kam, musste er sich etwas anderes ausdenken. Seitdem arbeitet Galaus im Dorf als Tagelöhner, steht auf bevor es hell wird und kommt meist erst wieder zurück, wenn es bereits längst dunkel geworden ist. Manchmal wartet er auch den ganzen Tag in der Taverne und es gibt keine Arbeit. Vielen anderen geht es ähnlich und die meisten von ihnen versuchen ihren Kummer und ihre Probleme mit Bier einfach wegzuspülen. Galaus trinkt jedoch nicht, er weiß, dass es leichter ist Arbeit zu finden, wenn man nüchtern ist und möchte in erster Linie seine Familie versorgen. Aus diesem Grund genießt er ungeachtet seines Standes im Dorf einigermaßen Ansehen als ordentlicher Mann und die Leute kommen gerne zu ihm, wenn sie kleinere Arbeiten haben oder wiedermal ein Dach geflickt gehört. Einiges von dem Land konnte nicht mehr genutzt werden, nachdem Galaus kaum zuhause war und Feiminn sich um Fjarri, den Haushalt und die Tiere kümmern musste, daher wurde es kurzerhand verkauft. Fjarri weiß das alles mehr oder weniger, entweder weil es ihm sein Vater selbst gesagt hat oder er es aus den Gesprächen seiner Eltern herausgehört hat. Dennoch scheinen ihn die Gründe wenig zu interessieren, ihm fehlt sein Vater, der nie Zeit für ihn hat und manchmal fühle ich mich, als müsste ich ihn ersetzen. Ungeachtet dessen ist Fjarri ein sehr aufgewecktes und fröhliches Kind. „Schau nur Magnlaus, ein Feuerfalter!“ Fjarri deutet aufgeregt auf die dunkelblaue Blüte einer Kornblume am Feldrand. Tatsächlich sitzt dort ein großer, feuerroter Schmetterling mit gelbumrandeten, blauen Punkten, der, seine Flügel immer wieder auf und zu schlagend, mit einem langen Rüssel in die Blüte sticht. Bestimmt heißt er anders, aber Fjarri liebt es Tieren und Pflanzen eigene Namen zu geben, besonders wenn sie so schön bunt wie dieser Falter sind. Fasziniert streckt Fjarri ganz vorsichtig und langsam seine Hand nach dem Schmetterling aus. Bevor er aber die Blüte berührt, erhebt sich der Falter wieder in die Lüfte und fliegt davon. „So schööön, findest du nicht?“ Mit glänzenden Augen sieht er seinem „Feuerfalter“ noch kurz nach, ehe er sich wieder zum Feldweg umdreht und mit mir weiter geht. Die Ähren sind inzwischen schon voll, obgleich der Weizen noch grün ist. Es wird wohl noch eine Weile brauchen bis zur Ernte. Nachdem wir die Felder, die Schmetterlinge, die Kornblumen und den Klatschmohn hinter uns gelassen haben kommen wir endlich zu den Hügeln. Kaum höher als ein Mann und mit sanften Rundungen liegen sie unter einem kurzen Gras- und Moosrasen. Wir beide kommen gerne hierher, weil die Erhebungen so fremdartig, so anders wirken, als würden wir uns in einer anderen Welt befinden und alles andere hinter uns lassen können. Manchmal laufen wir, bis wir erschöpft sind und legen uns dann ins Gras oder suchen vierblättrige Kleeblätter. Es ist wunderbar, denn für einen Moment bleibt die Zeit stehen und die Welt gehört uns. Inzwischen ist die Sonne weiter gewandert und brennt immer heißer auf uns hinunter. Fjarri setzt sich mit mir an den Fuße eines Hügels und lehnt sich in das noch etwas feuchte Gras zurück. Gemeinsam blicken wir nach oben und sehen die Wolken langsam vor dem blauen Himmel vorüberziehen. „Da schau, die Wolke sieht aus wie Tregur!“ „Dafür bewegt sie sich viel zu schnell, schau dir lieber die hier an, die schaut aus wie ein Fisch!“ „Hier eine Hand!“ „Eine sehr seltsame Hand...“ Eine Weile ist Fjarri still, dann seufzt er. „Was ist?“ „Ach nichts...“ Ich wundere mich und blicke zu ihm herüber. Irgendwas bedrückt ihn, aber ich lasse es dabei bewenden. Wenn er es erzählen will, dann wird er es schon machen und wenn nicht, dann dränge ich ihn lieber nicht. „Sag mal Magnlaus...“ „Hm?“ Mittlerweile sehe ich mir wieder die Wolken an und stelle fest, dass die Erste vom Wind kaum weitergetrieben wird. Vielleicht hat sie doch eine gewisse Ähnlichkeit mit Tregur. „Kommen dir eigentlich auch manchmal Dinge so.... ich weiß nicht... unecht vor?“ „Meinst du die Hügel? Die waren noch nie ganz normal...“ „Nein... ich meine, dass du plötzlich stehen bleibst und dich fragst, ob das alles wirklich passiert, weil es so fremd und fern wirkt.“ Ich kenne das Gefühl und es verfolgt mich ständig. Mein ganzes Dasein scheint mir unwirklich, eingebildet, erfunden. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt, aber es lässt mich nie ganz los. Irgendwie durchfährt es mich immer wieder und es ist, als würde ich mich selbst beobachten, durch meine Augen schauen und mir dabei zusehen. Es ist gruselig. Wie kommt Fjarri nur jetzt darauf? Schweigend antworte ich nicht, da ich nicht weiß, was ich ihm sagen soll und er drückt mich näher an sich heran, als ob er Angst hätte. Ich wundere mich noch was mit ihm los ist und irgendwann schlafen wir dann ein. „Wach auf Magnlaus, wir wollten doch noch zum Bach!“ Ohne auf eine Antwort zu warten schleift mich Fjarri erneut einfach mit. Der Bach selbst ist nicht viel mehr als ein etwas größeres Rinnsal, aber an diesem heißen Tag ist sogar das lauwarme Wasser eine Erfrischung. Fjarri taucht seine Hände in das feuchte Nass und benetzt sein Gesicht, dann blickt er schelmisch grinsend zu mir herüber und ich ahne bereits was kommen wird. „Oh nein, das wagst du nicht!“ Insgeheim freue ich mich schon auf die Abkühlung und reize ihn weiter. „Du bist ja viel zu feig!“ Fjarris Grinsen wird breiter und schon fliegt ein Schwall Wasser in meine Richtung. „Ahh, danke, das habe ich gebraucht!“ Inzwischen hat sich Fjarri wieder neben mich gesetzt und blickt zum Bach, auf dessen Oberfläche sich die Nachmittagssonne glitzernd spiegelt. „Deine Mutter hatte Recht, ein wirklich schöner Tag!“ „Stimmt!“, antwortet mir Fjarri und sucht mit der Hand einen Stein im Gras. Gefunden hebt er ihn auf, beäugt ihn und wirft ihn dann ins Wasser, wo es am schönsten glitzert. Mit einem dumpfen „Platsch“ geht der Kiesel unter und in alle Richtungen fliegen funkelnde Wassertropfen. „Guter Wurf!“ Ich blicke wieder zu Fjarri, doch irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Seine Hand, mit der er gerade geworfen hat, zittert, ja es reißt sie förmlich hin und her. Starr sieht Fjarri seinen Arm hinunter, der nun auch zu zucken begonnen hat und als ob ihm plötzlich schwindlig würde, schwankt Fjarris Kopf und Oberkörper. Auf einmal kippt er um und liegt vor mir, sein Gesicht direkt vor dem meinen und ich sehe, dass auch seine rechte Wange sich in unregelmäßigen Zuckungen bewegt. Zuerst starren mich seine weit aufgerissenen grünen Augen an, durchbohren mich, ich fühle seine Furcht und gleichsam durchfährt mich eine zügellose Angst um ihn, dann kreist sein Blick hin und her, fast ebenso unstet wie die Bewegungen seines Armes. Ich höre wie seine Gedanken zu mir sprechen, verzweifelt um Hilfe schreien und doch sitze ich vor ihm und kann nichts machen, außer zu ihm zu sprechen, ihm zu sagen, dass ich bei ihm bin und dass alles wieder gut wird, in der Hoffnung, dass ich Recht behalten werde. Bitte Schicksal, lass ihn nicht sterben! Aus Fjarris Mund quillt Schaum, noch immer zuckt seine Schulter vor und zurück, verdreht seinen Körper, aber langsam werden die Bewegungen ruhiger. Endlich verebben die Zuckungen und erschöpft, wie nach einem langen Lauf oder einer Gänsejagd, liegt er da und keucht. Vorsichtig richtet er sich auf, greift hastig, obgleich sehr sanft, nach mir und presst mich ganz dicht an sich. Der Schaum aus seinem Mund und frische Tränen tropfen auf mein Fell und verkleben sich darin, doch ich bin bei ihm, höre sein Schluchzen und beruhige ihn. „Es ist vorbei Fjarri, es ist vorbei...“ Erst nach und nach werden seine Atemzüge wieder ruhiger und seine Umarmung lockerer. „Was war das Magnlaus? Was ist mit mir passiert??“ Ich fühle mich schrecklich, weil ich es selbst nicht weiß und kann ihm das unmöglich gestehen. „Es... es war so seltsam... erst hat alles gezittert... und dann, als ich umgekippt bin und dich angeschaut habe, bist du plötzlich riesengroß geworden...“ Fjarri schüttelt den Kopf und ich merke wie schwer es ihm fällt sich das gerade Geschehene nochmals vor Augen zu halten, ganz so, als durchlebe er es erneut. „...und dann ist alles bunt geworden, der Feuerfalter war wieder da und so seltsame Lichter... und das Gefühl... es war alles so komisch...“ Fjarri atmet tief ein und lässt seinen Blick über die Wiese schweifen, dann sieht er mich wieder angsterfüllt und zugleich so ernst, wie ich ihn noch nie erlebt habe, an. „Magnlaus... ich will nicht sterben!!!“ „Das wirst du nicht, Fjarri, du bist doch noch ein Kind, du kannst noch nicht sterben. Du wirst sehen, du wirst einmal groß...“ „Bestimmt?“ „Ganz bestimmt.“ „Du darfst aber nicht weggehen!“ „Ich bin doch immer da Fjarri... immer...“ Eine Weile verharren wir noch so, dann steht Fjarri auf und wir begeben uns auf den Heimweg. Als wir durch die offene Tür ins Haus gehen, steht Feiminn bereits beim offenen Kamin und rührt um, während der Eintopf vor sich hinkocht. Sie dreht sich zu uns und blickt in ein vom Weinen gerötetes Gesicht mit verquollenen Augen. „Was hast du denn schon wieder angestellt? Wieder die Gänse? Du weißt doch, dass du sie in Ruhe lassen sollst. Na komm her.“ Sie nimmt ihren Sohn behutsam in ihre Arme und er beginnt neuerlich zu weinen. Er möchte ihr alles erzählen, doch aus seinem Mund kommen nur unverständliche Töne. Fjarri ist stumm und der einzige, mit dem er reden kann bin ich, ein kleiner aus Holz geschnitzter Hamster mit aufgeklebtem Fell. Dafür streichelt sie behutsam über seinen Kopf und tröstet ihn auf eine Art und Weise, wie ich es niemals können werde. „Schhh, ist ja schon gut.“ Mit der Zeit versiegen die Tränen wieder und Fjarri blickt seine Mutter mit noch feuchten Augen fragend an. „Iss erst einmal etwas, Papa wird heute erst kommen, wenn du schon schlafen musst.“ Mit diesen Worten hebt sie Fjarri auf und setzt ihn an den Tisch. „Magnlaus ist ja ganz verklebt, du musst besser auf deine Spielsachen aufpassen, aber jetzt iss erst einmal und ich gehe ihn dir draußen waschen.“ Später, als es schon längst dunkel ist, wacht Fjarri noch einmal auf und hört, wie sich seine Eltern unterhalten. „Was hast du?“ „Ach nichts... es ist nur Fjarri, er ist heute weinend nach Hause gekommen. Vielleicht hat er wieder die Gänse geärgert, aber es kann ja auch etwas anderes gewesen sein... Wenn er doch nur sprechen könnte.“ „Du machst dir zu viele Sorgen, es war bestimmt nichts schlimmes. Er ist noch ein kleines Kind, da weint er eben ab und zu, gerade wenn du ihn so verhätschelst.“ Die Tür zu Fjarris kleinem Zimmer wird geöffnet und Galaus schleicht vorsichtig ans Bett. Als er sich hin kniet blickt er in Fjarris verschlafene Augen. „Ah, du bist ja wach!“ Sanft streicht er mit der Hand über Fjarris Wange. „Na, was stellst du nur immer an?“ Einen Moment hält er inne und überlegt, was er ihm noch sagen könnte. „Wenn du groß werden willst, darfst du nicht immer weinen. Große Leute weinen nicht. So und jetzt schlaf' wieder.“ Sachte zieht Galaus die Bettdecke über Fjarris Schulter und steht dann auf. Mit einem leisen „Klack“ schließt sich die Tür und die beiden sind wieder allein. „Magnlaus?“ „Ja?“ „Warum weinen große Leute nicht?“ „Ich weiß nicht Fjarri... “ Randbemerkung/Erklärung:Kapitel 1 ist nicht sehr aussagekräfig als Überschrift, aber momentan ordne ich sie eben nur so, ich weiß ja noch nicht einmal den Titel für die Geschichte... vielleicht irgendwas mit "fensterlos" (jaja, der Leibniz) wie "Ungehört verhallt der Schrei im fensterlosen Raum", aber das ist zu lange, vielleicht auch etwas wie "Ungehörte Tragödie" oder was weiß ich. Ist ja auch egal, es wird auf jeden Fall eine unschöne Geschichte und es graust mir jetzt schon vor dem Ende. Hoffentlich kann ich mich wieder dazu bringen weiterzuschreiben, bin erst mitten im dritten Kapitel... mitten im Anfang des dritten Kapitels. Wie auch immer, der Text ist noch NICHT Überarbeitet und DARF deshalb auch Rechtschreibfehler und dumme Sätze haben ;). Finde ich zumindest.... sowas wird am Schluss erledigt. Tja, vielleicht fällt mir später noch mehr hierzu ein....zurück zur Prosa-Übersicht |
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