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Wer wahrhaft stark ist braucht kein SchwertEin weiser Mann sagte einmal: "Wer wahrhaft stark ist, braucht kein Schwert." - Er hatte sich zuvor gegen eine Gruppe zwielichtiger Gestalten gestellt, die dabei waren auf offener Straße einen Lumpensammler zu verprügeln. Sie wurden ob der Störung wütend und zogen ihre Waffen. Er tat es ihnen gleich. Es dauerte nicht lange und schließlich wandte er den Blick von den Banditen, als er sich sicher war, dass sie nicht doch in ihrer Flucht innehalten und kehrt machen würden. Dann sah er mich, wie ich ihn mit leuchtenden Augen anblickte. Meine Bewunderung war ihm sichtlich peinlich und so ging er zu mir hin und bückte sich. Der Mann sprach nur diesen einen Satz, der mir von da an, ebenso wie sein Zweifel und Traurigkeit ausstrahlendes Gesicht, ewig im Gedächtnis blieb. Dann wandte er sich ruckartig um, ganz so als sei er sich nicht sicher, was er sonst machen sollte. Zwischen seinen hastigen Schritten hielt er noch einmal kurz inne und blickte mich über die Schulter hinweg an. Auch das brannte sich in meine Erinnerungen ein. Ich muss sagen, dass ich es damals, als ich noch ein kleiner Junge war, noch nicht verstanden hatte. Rund um mich herum verschaffte sich jeder, der konnte, mit dem Schwert sein Recht und wer nicht konnte, was auf so gut wie jeden zutraf ......... Nunja, vielleicht war es ja das, was mich in späteren Jahren dazu bewog zu glauben er meinte, wenn man wirklich stark sei, so wusste jeder, dass es sinnlos sei, sich mit einem anzulegen. Oder aber man war den anderen auch ohne Schwert meilenweit überlegen. Aus dieser Überlegung heraus lässt sich vermutlich erklären, warum ich so viele Jahre heimlich mit einem Stecken den Schwertkampf geübt hatte. Letztlich hatte ich jedoch unrecht, das kann ich getrost sagen und ich war der Lösung in meiner Kindheit näher gewesen, als in meiner Jugend. Aber nun endlich, nach so vielen Jahren habe ich die wahre Bedeutung herausgefunden und es brauchte einen alten, gebrechlichen Mann um mir zu zeigen, was wahre Stärke ist. Ich hatte mich, nachdem ich Meister geworden war, von der Stadt aufs Land zurückgezogen, wo die Bezahlung zwar nicht zu gut war, ich mich aber auch nicht mit Konkurrenz herumschlagen musste. Wie dem auch sei, ein großer, grobschlächtiger Kerl, für den Abstinenz die Zeit zwischen zwei Bieren bedeutete, terrorisierte damals das Dorf. Keiner hinderte ihn daran, niemand brachte den Mut auf, denn er hatte ein Schwert. Es erscheint mir immer wieder unwirklich, wie ein einzelner Mann mit einem schartigen Schwert ein ganzes Dorf voll Bauern in Atem halten kann und doch geschah es. So sah auch an diesem Tag jeder weg, als der Trunkenbold den Sohn des Müllers um ein paar Kreuzer erleichterte, für die dieser Eier holen sollte. Ich weiß es, ich war dort ............. und tat nichts. Doch plötzlich, als der Kerl mit dem Schwert die Hand hob, um das Kind zu schlagen, war da jemand, der nicht nur tatenlos zusah, sondern etwas unternahm. Es war ein weißhaariger, greiser Mann und er trat schützend vor den Jungen. Erst der zweite Schlag zwang ihn in die Knie. Als der Fremde sich mühsam wieder auf seine Beine zwang, begannen die Leute stehen zu bleiben und ihre Augen zu öffnen. Blitzschnell folgte Hieb auf Hieb und nachdem der Alte zu Boden gegangen war Tritt auf Tritt. Dann zog der Peiniger sein Schwert und inzwischen hatte sich das ganze Dorf versammelt. Eine schwache Geste des Greisen schreckte den kleinen Jungen aus seiner Starre. Er verstand und eilte zu seinen Eltern. Ein letztes Mal kämpfte sich der fremde Mann mühsam auf seine Beine und blickte seinem Gegenüber geradewegs in die Augen. Es war kein herausfordernder Blick, nein, vielmehr ein Blick voller Mitgefühl, ohne jedweden Hass, ein Blick, dem der Trinker mit dem Schwert nicht standhalten konnte. Schwankend holte er aus. Es brauchte zwei, drei, vier Hiebe, bis endlich der Kopf fiel, der Alte hatte sich nicht bewegt. Ein Aufschrei ging durch die versammelte Menge und selbst die hartgesottensten Männer konnten sich ein betroffenes Schlucken nicht verkneifen. Da blickte der frische Mörder auf und sah in die Gesichter der Dorfbewohner, dann auf das Schwert und seine blutigen Hände. Dann stürzte er davon. Ich hörte später er sei tot, doch es war nicht herauszufinden, wie es geschah. Möglicherweise war er an ein paar Soldaten geraten, oder es geschah während einer Wirtshausschlägerei, doch das ist auch nicht wichtig. Nachdem er davon gerannt war, ging ich zu der Leiche des Alten und kniete mich neben sein Haupt. Es traf mich wie ein Schlag: Es war der Mann, der mir einst gesagt hatte: "Wer wahrhaft stark ist, braucht kein Schwert." Seine Worte hallten in meinem Kopf wider. Dennoch war es nicht der selbe Mann, wie der aus meiner Erinnerung, denn es war nicht mehr die Trauer und der Selbstzweifel in seinem Gesicht zu erkennen. Da wurde mir mit einem Mal klar, wieso ich ihn nicht früher erkannt hatte: er lächelte...., selbst in seinem Tod. Er hatte die ganze Zeit über gelächelt. So begann ich seine Worte langsam zu verstehen und während ich weinend mein Gesicht zu einem Kuss auf seine Stirn beugte, begann ein warmes Gefühl der Freude in mir aufzukeimen, dass er schließlich zu solcher Stärke gelangt war.Randbemerkung/Erklärung:Die erste Kurzgeschichte, die ich jemals geschrieben habe und dementsprechend auch schon etwas älter. Sprachlich holprig wie eine Schotterstraße, aber ich denke das Grundthema/-motiv hat für mich nicht an Wert verloren. Die Idee zu dieser Geschichte kam mir, wie könnte es anders sein, an dem Quell der Inspiration, der manchmal gerne als das "stille Örtchen" umschrieben wird. Kein weiterer Kommentar dazu *g*. Ein bisschen merkt man auch, dass ich am Fantasy-Genre hänge, deshalb ja der mittelalterliche Hintergrund, aber ich entferne mich dem inzwischen immer mehr und mehr. Wie dem auch sei, Pazifismus verdient eine bessere Geschichte als sowas und irgendwann werde ich mich wohl auch wieder mal dransetzen... später. Übrigens, seht euch (falls ihr es noch nicht getan habt) die Gandhi-Verfilmung mit Ben Kingsley an, sie ist wirklich sehr gut.zurück zur Prosa-Übersicht |
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